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Wer kontrolliert Testamentsvollstrecker?

Achtung: Testamentsvollstrecker haben vollkommene Narrenfreiheit. Zwei Fälle zeigen, warum.

Achtung: Testamentsvollstrecker haben vollkommene Narrenfreiheit. Zwei Fälle zeigen, warum.

Eine Rechtsanwältin wird Testamentsvollstreckerin einer Familie mit einem behinderten Kind. Zum Schutz des Kindes hatten die verstorbenen Eltern ein Niessbrauchsrecht auf das von allen geliebten «Rosenhaus» verfügt, ein Familiensitz, der für alle Geschwister wichtig ist.

Der invalide Bruder stirbt und die Geschwister werden mit der Tatsache konfrontiert, dass die Testamentsvollstreckerin das Rosenhaus hinter ihrem Rücken verkauft hat. Die Familie war weder informiert, noch wäre sie mit dem Verkauf einverstanden gewesen. Die Testamentsvollstreckerin hatte auch das Konto mit 200.000 Euro geleert, um ihre eigenen Schulden zu bezahlen. Sie behandelte das Geld wie ihr Eigentum.

Trotz strafrechtlichem Delikt vergingen Monate bevor das Nachlassgericht dem Absetzen der Testamentsvollstreckerin zustimmte.

Die Familie wurde so allerdings schon um ihr Erbe betrogen. Das Haus mit allen Familienerinnerungen war verkauft und das Konto leergeräumt.

Nachtcafé 31.7. SWR Pulverfass Erbe

Testamentsvollstreckerin soll sich am Erbe bedient haben

Das Amtsgericht Raststatt verhandelt über eine Anklage der Staatsanwaltschaft Baden Baden gegen eine Testamentsvollstreckerin.

Ein Ehepaar ernannte die deutsch-französische Staatsbürgerin 2005 zu ihrer Nachlassverwalterin. Nach dem Tode des Ehepaares 2015 wurde das Geld nicht an die testamentarisch bedachte Erbengemeinschaft ausbezahlt. Das Geld für die von der Testamentsvollstreckerin verkauften Eigentumswohnung landete auf dem Konto der Angeklagten oder verschwand in Algerien. Das Barguthaben von mehr als 100.000 Euro wurde auf ein von ihr geführten Bankkonto in Frankreich überwiesen. Die Erben gingen leer aus.

Online Tageszeitung für Baden Baden und Umgebung 17.7.2020

Über die Autorin

Die Autorin Gabrielle Rütschi hat zum Thema Erben und Erbschleicherei ein Buch veröffentlicht. „Erben – Büchse der Pandora“ beschreibt, wie die Fassade der „heilen“ Familie beim Erben bröckeln kann und sich der Familienschatten zeigt. Das Buch kann online und über den Buchhandel erworben werden.


Haben auch Sie Erfahrungen mit Erbschleicherei gemacht? Dann sind Sie herzlich eingeladen, Ihre Erfahrungen mit uns zu teilen oder hier im Blog zu veröffentlichen. E-Mail kontakt (at) erben.blog

Von Gabrielle Rütschi

Gabrielle Rütschi ist systematische Psychologin und Therapeutin. Als Lehrtherapeutin und Supervisorin leitete sie Ausbildungsgruppen im In- und Ausland. In ihrer therapeutischen Arbeit interessiert sie vor allem der Einfluss von Vergangenheit auf die Gegenwart eines Individuums und die Bedeutung des gesellschaftspolitischen Zeitgeistes und Wertewandel auf die Persönlichkeitsentwicklung. Sie lebt in Zürich und ist Mutter von zwei erwachsenen Söhnen.

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